CC Sourcing IT-Innovation Awards 2016 an 6 Fintechs verliehen

Die Fidor Bank, Telefónica, Crowdhouse.ch, ReiseBank und Finnova werden mit dem Banking-IT Innovation Award ausgezeichnet. Den erstmals vergebenen Insurance-IT Innovation Award gewinnen 1Klick1Blick und Fileee. Die Verleihung hat am 2./3. November im Rahmen des Business Engineering Forum an der Universität St. Gallen stattgefunden.

Kaum eine Branche unterliegt gegenwärtig einem solch grundlegenden Wandel wie die Finanzindustrie. Die Digitalisierung und neue Wettbewerber stellt die Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen zunehmend in Frage.

Das Business Engineering Institut St. Gallen mit dem Kompetenzzentrum Sourcing in der Finanzindustrie der Universitäten St. Gallen und Leipzig vergibt zum nunmehr sechsten Mal in Folge den Banking IT-Innovation Award für technologiebasierte Innovationen im Finanzbereich. Erstmals wird in diesem Jahr zusätzlich der Insurance IT-Innovation Award vergeben.

Branchen brechen auf – Ecosysteme entstehen

Allgegenwärtig sind die Voraussagen, dass Mitbewerber aus fremden Branchen zu neuer Konkurrenz für Banken erwachsen. Angesichts dieser Situation ist die „Flucht nach vorn“ eine probate Strategie. Die Fidor Bank lebt dies als einer der diesjährigen Preisträger vor und zeigt zusammen mit dem Telekommunikationsanbieter Telefónica, dass sich Geschäftsmodelle nicht länger an Branchengrenzen orientieren müssen. Das gemeinsame Projekt O2 Banking wurde daher als eine Innovation ausgezeichnet, welche die Rolle der Bank neu denkt und Ecosysteme über Silodenken stellt. Dazu passt auch die ebenfalls ausgezeichnete Innovation CentYou-Button der Fidor Bank, mit der sie die Grundlage für Kleinstzahlungen im Web legt. Wertvolle Ratschläge, Artikel oder Inhalte können Leser mit nur einem Klick unkompliziert honorieren. Die Vision des Anbieters ist, dass dadurch Banking zukünftig auf jeder Webseite im Internet stattfindet.

Einen ähnlich zukunftsweisenden Weg geht Crowdhouse.ch. Das Schweizer Startup ermöglicht Immobilienfinanzierung und –teilhabe via Crowdfunding, d.h. über die direkte Finanzierung durch viele Einzelpersonen. Dabei bewegt es sich in den angestammten Geschäftsfeldern von Banken, ohne selbst eine Bank zu sein. Erst das Zusammenspiel von vielen Interessengruppen ermöglicht diese neuartigen Wertschöpfungsnetzwerke. Es zeichnet sich ab, dass Plattformen wie Crowdhouse.ch in zukünftigen Ökosystemen die Schnittstelle zwischen den ehemals getrennten Branchen bilden.

Kundenzentrierung ist gleichbedeutend mit der Ermächtigung des Kunden

Lange war Informationstechnologie dadurch geprägt, dass Anwendungssysteme die Bedürfnisse von Unternehmen unterstützen. Die Unternehmen haben Software beauftragt und auch finanziert. Es ist ein Novum der heutigen Startup-Kultur, dass der Konsument der Zielanwender von Software ist und deren daher anhand der Nutzerbedürfnisse erfolgt. Hierbei entstehen oft Anwendungsszenarios, welche die Kundenbedürfnisse befriedigen und nicht primär die Geschäftsprozesse der Unternehmen verbessern. Es sind zwei Preisträger aus dem Versicherungsbereich, welche diesen Paradigmenwechsel eindrucksvoll vorleben:

1Klick1Blick ist eine Anwendung, welche lediglich basierend auf einem Foto der vorhandenen Versicherungspolicen dem Kunden vollautomatisch deren Güte bewertet und Optimierungspotenziale aufzeigt. Der Kunde wird dadurch auch in komplexen Sachverhalten wie der Risikovorsorge befähigt, selbstständig zu agieren und erhält eine Entscheidungsunterstützung.

Mit der Digitalisierung von Papierunterlagen beschäftigt sich auch der zweite Preisträger des Insurance IT-Innovation Awards: Fileee verwaltet jegliche Art von Dokumenten für den Konsumenten. Dabei ist eine erleichterte Ablage und das verbesserte Auffinden für den Anwender nur ein Nebenaspekt. Viel wichtiger ist die Einbindung dieser Dokumente in die Prozesse von Unternehmen, beispielsweise der direkte Anruf bei einer Servicehotline mit Übermittlung der betreffenden Dokumente. Hierzu kommen moderne Technologien und fortgeschrittene Verfahren der Texterkennung zum Einsatz.

Auf die Value-Chain folgt die Block-Chain

Am Weitesten bei der Nutzung neuer Technologien gehen die beiden Preisträger Finnova und ReiseBank. Diese Anbieter haben modernste Technologien in kürzester Zeit für den Einsatz im Unternehmen adaptiert. Die hierbei ausgezeichneten Innovationen gehen dabei weit über Optimierungen bestehender Prozesse hinaus. Vielmehr schaffen sie eine völlig neue Infrastruktur für die Finanzindustrie von morgen.

Die ReiseBank hat eine schnelle und günstige Form der Auslandsüberweisungen implementiert, welche mittels der offenen und dezentralen Blockchain-Technologie für alle gängigen Währungen weltweit nutzbar ist. Sie umgeht dabei viele Nachteile klassischer Infrastrukturen und sammelt als Unternehmen Erfahrungen mit einer Technologie, deren Potenzial momentan keine Grenzen zu kennen scheint.

Der Softwareanbieter Finnova hat mit seinem Analytical Framework eine Technologie geschaffen, welche Konzepte wie Künstliche Intelligenz und Evolutionary Learning in das Backoffice der Finanzinstitute transportiert, und analytische Aufgabenstellungen in allen Bereichen: Front-2-Back, Compliance und Non-Compliance, Real-Time, Near-Time und End-of-Day präzise löst. Was derzeit noch als Entscheidungsunterstützungs- und Analysewerkzeug bezeichnet wird, kann schon in naher Zukunft einen erheblichen Anteil von Wissensprozessen, z.B. Betrugserkennung oder Kreditentscheidungen, in den Geldhäusern automatisieren.

Über den Award

Das Kompetenzzentrum „Sourcing in der Finanzindustrie“ (CC Sourcing) vergab am 02.11.2016 zum sechsten Mal den „Banking IT-Innovation Award“ und zum ersten Mal den „Insurance IT-Innovation Award“.

Im Rahmen des Business Engineering Forums in St. Gallen würdigte das CC Sourcing mit diesem Preis innovative Lösungen an der Kundenschnittstelle, die einen hohen Kundennutzen aufweisen und das Potenzial haben, die Finanzindustrie nachhaltig zu verändern.

Eine unabhängige Jury aus Angehörigen der Universitäten Leipzig (Prof. Dr. Rainer Alt), St. Gallen (Prof. Dr. Reinhard Jung) und des Business Engineering Institute St. Gallen (Thomas Zerndt, Stephan Sachse) sowie den Praxisvertretern Urs Häusler (Swiss Startup Association, Dealmarket.com) und Dr. Hagen Habicht (Versicherungsforen Leipzig) bewertet die Einreichungen.

Über das Business Engineering Institute und das CC Sourcing

Das Business Engineering Institute St. Gallen (www.bei-sg.ch) transferiert Erkenntnisse aus der Forschung in tragfähige Lösungen für die Praxis. In diesem Rahmen besteht eine enge Kooperation zu acht Universitäten und zu über 50 Praxispartnern. Mit diesen erfolgt die Ergebniserarbeitung in Kompetenzzentren oder in bilateralen Projekten.

Das Kompetenzzentrum „Sourcing in der Finanzindustrie“ (www.ccsourcing.org) ist ein universitätsübergreifendes Konsortialforschungsprojekt und greift das Thema Digital Business sowie die Transformation zur digitalen Bank auf und leistet mit Forschungsergebnissen Beiträge zur künftigen Ausgestaltung der Banken- und Finanzindustrie. Das Kompetenzzentrum Sourcing in der Finanzindustrie wird vom Business Engineering Institute St. Gallen betrieben.